Tagung 2006 (Raum Stuttgart)
Fotogalerie "VDVA-Jahrestagung 2006.
Jahrestagung des Verbands Deutscher Verkehrs-Amateure
mit Standort Stuttgart vom 04. bis 13. August 2006
Von Otwin Krause und Walter Vögele
Freitag,
04. August 2006 – St. Gallen – Obus und
Mühleggbahn
Zum Auftakt der Tagung traf sich um 15.30 Uhr eine Gruppe von 15
Teilnehmern am Obus-Depot in St. Gallen, wo wir bereits vom
Leiter der Verkehrsbetriebe, Herrn Thomas Romer, sowie seinen
Abteilungsleitern Rino Cavallet und Andreas Wieland erwartet und sehr
freundlich aufgenommen wurden. Bei Kaffee und kalten Getränken
– nach Wunsch – erläuterte Herr Romer
zunächst Geschichte, Gegenwart und Zukunft des
St. Galler Verkehrsbetriebs. Es folgte ein Rundgang durch das
Depot. Danach brachte uns ein Sonderbus zur Bergstation der
Mühleggbahn, wo wir die Antriebsanlage besichtigen konnten.
Diese Standseilbahn hat nur einen Wagen, das Seil wird daher auf eine
große Trommel aufgewickelt, wobei eine besondere
Führungsvorrichtung dafür sorgen muss, dass das Seil
immer sorgfältig nebeneinander aufgelegt wird. Nach einer
Fahrt zur Talstation konnten wir vom Dienstbahnsteig aus Fotos von der
Bahn und dem direkt daneben liegenden Wasserfall machen, soweit die
Fotoapparate nicht wegen eines weiteren Wasserfalls, nämlich
dem vom Himmel herunter, ihren Geist aufgaben. Nach der
Rückfahrt zur Bergstation brachte uns der Bus wieder zum
Depot. Von der Talstation wäre es nur ein Fußweg von
etwa 10 Minuten bis zum Depot gewesen, aber bei strömendem
Regen wären wir sicherlich hinterher klatschnass gewesen, so
dass wir für den Bustransfer besonders dankbar waren.
Anschließend lud uns Herr Romer in einer nahe gelegenen
Gaststätte zu schmackhaften Rösti mit Käse
und Spiegelei ein und stand uns mit seinen Mitarbeitern noch lange Zeit
zu Diskussion und Erfahrungsaustausch zur Verfügung, die
letzten verließen zusammen mit Herrn Romer erst gegen 22 Uhr
das Lokal.
Samstag,
05. August 2006 – Rheineck-Walzenhausen-Bahn, Internationale
Rheinregulierungsbahn, Rorschach-Heiden-Bahn
Um 8.21 ging es mit der SBB nach Rheineck. Dort gibt es eine Bahn, die
zunächst etwa 700 m als Adhäsionsbahn,
danach als Zahnradbahn nach Walzenhausen verkehrt. Sie hat die
ungewöhnliche Spurweite von 1200 mm und nur einen
einzigen Triebwagen, so dass bei Ausfall des Triebwagens, z. B. wegen
Revision, der Betrieb eingestellt und durch Busse mit erheblich
längerer Fahrzeit ersetzt werden muss. Die Bahn fährt
vormittags nur einmal in der Stunde, so dass in der dazwischen
liegenden Pause für uns ein Sonderzug vorgesehen war, der
genügend Fahrzeit hatte, um unterwegs einen mit der
Betriebsleitung vereinbarten Fotohalt einzulegen. Leider war der
Triebfahrzeugführer nicht im Bilde und verweigerte den
Fotohalt. Er wollte auch unbedingt Fahrkarten sehen. An der Bergstation
telefonierte er daher sehr andauernd mit dem Betriebsleiter. Walter
Vögele wurde schon ganz nervös, denn mit der
planmäßigen Talfahrt hatten wir in Rheineck nur 3
Minuten Übergang zur Weiterfahrt nach Lustenau. Da diese
Verbindung nur alle zwei Stunden angeboten wird, hätte ein
Versäumen dieses Anschlusses das ganze Programm bei der
Rheinregulierungsbahn zunichte gemacht. Glücklicherweise
beendete er das Telefonat doch gerade noch rechtzeitig.
In Lustenau war ein relativ strammer Fußmarsch vom Bahnhof
zum Museum „Rheinschauen“, dem Startpunkt der
Internationalen Rheinregulierungsbahn, notwendig. Daher war vom
Umsteigebahnhof St. Margrethen für die Teilnehmer,
die nicht so gut zu Fuß sind, ein Taxi für 8
Personen bestellt. Walter Vögele hatte acht Fahrgäste
eingeteilt, plötzlich standen aber neun Teilnehmer am Taxi
– und der Anschlusszug war schon weg. Aber der Taxler war
großzügig und nahm alle mit!
Die Internationale Rheinregulierungsbahn beruht auf einem Abkommen
zwischen Österreich und der Schweiz zur Regulierung der
letzten ungefähr 30 Kilometer des Rheins vor seiner
Mündung in den Bodensee. Dazu musste von einem Steinbruch bei
Koblach das Material an die Einbaustelle entlang des neuen Flussbetts
gebracht werden. Für den Transport wurde diese Bahn mit einer
Spurweite von 750 mm gebaut. Zunächst wurde sie mit
Dampflokomotiven betrieben. Später wurde ein Teil der Strecke
mit Fahrleitung versehen und es kommen seitdem Zweikraft-Lokomotiven
zum Einsatz, die außerhalb der elektrifizierten Abschnitte
mit Diesel fahren. Die Fahrleitung ist nur an kurzen Auslegern von etwa
30 cm befestigt, die Lokomotiven haben aber Stangenstromabnehmer, so
dass die außerhalb des Gleisbereichs liegende Fahrleitung
erreicht wird. Auch an den Ausweichstellen ist nur ein Fahrdraht
vorhanden, einer der kreuzenden Züge muss seinen Stromabnehmer
von der Fahrleitung entfernen. Der Abbau von Material am Steinbruch ist
inzwischen beendet, heute wird das Material mit Lastkraftwagen von
anderen Steinbrüchen herangeschafft und allenfalls auf dem
letzten Abschnitt vor der Rheinmündung mit der Bahn verteilt.
Mit einem Zug aus Lok
Heidi + J302 + C21 + C18 + C13 + C16 + C15 + C14 + C12 + C17 + C11(grün) + S4
befuhren wir als erstes die Strecke zum Steinbruch, wobei an der
Zollstelle Widnau-Wiesenrain der Rhein auf der Straße
entgegen der Verkehrsrichtung überquert wird, was für
die Fotografen und „Videoten“ natürlich
ein besonderes Schmankerl darstellte. Damit wir auf der rund
fünfstündigen Fahrt nicht verhungern und verdursten
würden, waren bereits bei der Abfahrt im Zug belegte
Brötchen und reichlich Getränke bereit gestellt. Nach
einer längeren Fahrt auf Schweizer Seite wurde der Rhein
wieder überquert, dieses Mal jedoch auf einer reinen
Eisenbahnbrücke. Damit auf dieser, weit entfernt von
irgendeiner Zollstelle gelegenen Brücke kein unkontrollierter
„kleiner Grenzverkehr“ stattfindet, ist mitten auf
der Brücke – an der Staatsgrenze – ein
großes, massives Stahltor eingebaut, das vor der Durchfahrt
vom Triebfahrzeugführer geöffnet wird und nach
Rückkehr wieder verschlossen werden muss. Diese Strecke wird
allerdings von den planmäßigen
Touristenzügen nicht befahren. Am Steinbruch konnten die
umfangreichen Verladeanlagen sowie die Reste der Lorenbahn im
Steinbruch besichtigt werden, dann ging es wieder zurück. Nach
einem kurzen Toilettenaufenthalt am Museum fuhren wir weiter zur
Rheinmündung. Dort konnten wir allerdings nur noch kurz
verweilen, da wir bis zum planmäßigen Touristenzug
wieder am Museum sein mussten. Eine knappe Stunde hatten wir noch Zeit
für Depotbesichtigung, Kauf von Postkarten und Souvenirs sowie
zum Besuch des Museums, das recht anschaulich die geologische Situation
und die Bauarbeiten zur Rheinregulierung erläutert.
Danach brachte uns ein Sonderbus direkt zum Bahnhof Heiden der
Rorschach-Heiden-Bahn. Dort fanden wir eine große Baustelle
vor, es wird dort ein neues Werkstattgebäude erstellt, in dem
die Bahn auch auftragsweise Fahrzeuge der Post unterhalten wird. Wir
konnten dann den alten Lokschuppen besichtigen, in dem noch zahlreiche
Gerätschaften aus der Anfangszeit der Bahn vorhanden sind. Es
ist noch nicht geklärt, was mit dem Gebäude
geschieht. Es bestehen Überlegungen, es so zu nutzen, dass die
Historie erhalten werden kann. Kurz danach kam bereits unser Sonderzug
an, wie bei einer Bergbahn häufig üblich geschoben,
so dass ein Umsetzen entfiel. Nachdem der Zug genügend
abgelichtet war, fuhren wir bis Wienacht-Tobel, wo er in ein
Abstellgleis rangiert wurde, damit der Planzug kreuzen konnte. Das gab
natürlich wieder Gelegenheit für viele
unterschiedliche Foto- und Videoaufnahmen. Anschließend
fuhren wir weiter zu Tal bis zur „Bergstation“ in
Rorschach, womit die Station der Bergbahn in Rorschach gemeint ist.
Hier konnte das Depot ausgiebig besichtigt werden. Zum Schluss wurden
wir mit unserem Sonderzug noch die wenigen Hundert Meter zum Bahnhof
Rorschach gebracht, von wo wir mit der SBB nach St. Gallen
zurückkehrten.
Sonntag,
06. August 2006 – Appenzellerbahnen – Trogenerbahn
Zunächst ging es wieder mit der SBB von St. Gallen
nach Herisau. Bereits im Hotel, spätestens aber im Zug
verteilte Walter Vögele Informationsmaterial der
Appenzellerbahnen und ein rotes Appenzellerbahnen-Käppi.
Außerdem erhielt jeder Teilnehmer leihweise eine Warnweste,
die auf Wunsch der Appenzellerbahnen während der Fahrt zu
tragen war. So waren die Teilnehmer schon von weitem zu erkennen. In
Herisau waren einige Fahrzeuge im Freien zum Fotografieren
bereitgestellt, weitere Fahrzeuge konnten in der Halle besichtigt
werden. Hier wie auch später in Gais begleitete uns der Leiter
der Werkstatt, Herr Willkommen, und stand uns für alle Fragen
bereitwillig zur Verfügung. Nach dem Schweizer Prinzip der
Eigenverantwortung hatte er uns vorab auf die besonderen Gefahren im
Gleis- und Werkstattbereich hingewiesen und zur Vorsicht ermahnt, dann
durften wir aber ganz nach Belieben ausschwärmen, ganz im
Gegensatz zum Vorgehen einige Tage später an anderem Ort, wo
wir außerhalb des Betriebshofs die Fahrzeuge verlassen
mussten und erst nach dem Ausrücken das andere Fahrzeug
besteigen durften.
Um 9.20 ging es mit einer älteren Pendelkomposition
zunächst bis Urnäsch. Dort war Überholung
und Kreuzung, sehr zur Freude der Fotografen. Anschließend
fuhren wir über Appenzell nach Wasserauen. Christof Henseler
stellte fest, dass in dem dortigen Schuppen ein älteres
Fahrzeug stand und bemängelte, dass eine Besichtigung nicht
vorgesehen war. Aber nur eine kurze Anfrage an unseren Begleiter
– und schon wurde uns der Schuppen aufgeschlossen, so dass
wir einen kleinen Rundgang machen konnten. Nach Appenzell
zurückgekehrt hatten wir etwa eine Stunde Aufenthalt, in der
der planmäßige Nostalgiezug
Herisau – Wasserauen und die verschiedenen
sonstigen planmäßigen Züge aufgenommen
werden konnten bzw. ein Rundgang durch den Ort oder eine Kaffeepause
möglich war. Von Appenzell fuhren wir über Gais bis
„Alter Zoll“, hier war Kreuzung mit dem
planmäßigen Zug und somit ein längerer
Fotohalt, dann ging es weiter bis zur Endstelle
Altstätten Stadt. Von der ursprünglichen
Fortsetzung der Strecke bis zum Bahnhof Altstätten ist nichts
mehr zu sehen.
Die Rückfahrt verlief ohne Halt bis Gais, wo wir mit unserem
Sonderzug bis ins Depot rangiert wurden. Auch hier hatten wir
Gelegenheit, alles zu sehen, was wir wollten, und Herr Willkommen stand
uns nochmals für Erläuterungen zur
Verfügung. Von Gais aus fuhren wir mit dem Triebwagen 5 in der
grünen Farbgebung der früheren
St. Gallen – Gais – Appenzell – Bahn
(SGA) mit 3 Beiwagen über Teufen, wo wir ähnlich wie
in Urnäsch sowohl Überholung wie auch Kreuzung
hatten, nach St. Gallen zurück.
Unmittelbar neben dem Bahnhof der Appenzellerbahnen befindet sich die
Abfahrtsstelle der Trogenerbahn. Hier kam kurz nach unserer Ankunft
bereits unser Sonderzug an. Wir warteten allerdings die Abfahrt des
planmäßigen Zuges ab, bevor auch wir uns in Bewegung
setzten. An der Haltestelle Schülerhaus, bei der der Bahnsteig
in der Straße zwischen den Gleisen liegt, hatten wir einen
Fotohalt mit der Kreuzung des Gegenzuges. Auf der Fahrt bis Trogen
sowie zurück bis zum Depot in Speicher folgten noch weitere
Fotohalte bei zunehmend besser werdendem Wetter. In Speicher fand eine
ausgiebige Besichtigung des Depots statt, dabei wurden uns bereitwillig
alle Fahrzeuge ins Freie gefahren, die wir gerne fotografieren wollten,
die Schneeschleuder wurde sogar in volle Aktion versetzt, nur der
Schnee fehlte noch! Unser Sonderzug brachte uns rechtzeitig nach
St. Gallen zurück, um nach Aufnahme unseres
Gepäcks im Hotel oder aus dem Schließfach unseren
Zug nach Lindau zu erreichen, von wo es über Ulm nach
Stuttgart ging. Eine kleine Gruppe fuhr über Konstanz nach
Karlsruhe und Ludwigshafen.
Montag,
07. August 2006 – Karlsruher Stadtbahn von Stuttgart
übers Enztal ins Hohenloher Land mit Sommerbergbahn
(Bad Wildbad) und Künzelsauer Standseilbahn
Um 8.33 traf der Bistrowagen 847 der Karlsruher Stadtbahn im
Hauptbahnhof Stuttgart ein, wo er ausgiebig fotografiert und auf Video
gebannt wurde. Er war um 6.40 Uhr im Betriebshof West der
Verkehrsbetriebe Karlsruhe abgefahren, wo er von Walter Vögele
mit ausreichend Getränken für einen heißen
Sommertag beladen worden war. An der Tullastraße war noch
Dipl.-Ing. Dr. e.h. Dieter Ludwig
zugestiegen, der bis wenige Tage zuvor Leiter der Verkehrsbetriebe war
und uns während der Fahrt ausgiebig über die
Geschichte und Entwicklung unterrichtete. Von der Tullastraße
an fuhren auch zwei Mitglieder des Treffpunkts Schienennahverkehr mit,
die uns auf der Fahrt gastronomisch betreuten. Um 8.43 ging es in
flotter Fahrt bis nach Pforzheim und nach kurzem Aufenthalt weiter bis
Pforzheim-Brötzingen. Hier hatten wir unseren ersten Fotohalt
bei der Kreuzung mit unserem Gegenzug. Weitere Fotohalte folgten im
Enztal an den frisch renovierten Bahnhofsgebäuden in
Neuenbürg und Höfen. In Bad Wildbad fuhren
wir zunächst bis zur Endstelle am Kurpark. Nach einem
für das Fotografieren ausreichend langen Aufenthalt ging es
über Uhlandstraße zum Bahnhof Bad Wildbad.
Nach Belieben bestand Gelegenheit zu einem Bummel durch
Bad Wildbad, zur Fahrt mit der Standseilbahn auf den
Sommerberg, deren Talstation nur wenige Schritte von der Haltestelle
Uhlandstraße entfernt ist, oder zum Aufenthalt an der
Strecke, um den planmäßigen Zug sowie die nochmalige
Durchfahrt unseres Sonderzuges zu fotografieren. An der Bergstation der
Sommerbergbahn konnte die Antriebsanlage besichtigt werden. Leider
waren so viele „normale“ Fahrgäste
anwesend, dass bei der ersten Fahrt nicht alle Teilnehmer unserer
Exkursion mitkamen, sie mussten daher auf die zweite Fahrt warten und
hatten daher an der Bergstation nur einen kurzen Aufenthalt von etwa 10
Minuten. Nachdem der planmäßige Zug die Stadtstrecke
in Bad Wildbad verlassen hatte, fuhr unser Sonderzug wieder
bis Kurpark.
Dann wurden alle Teilnehmer an den verschiedenen Haltestellen wieder
aufgenommen. Walter Vögele hatte inzwischen in einer Wildbader
Bäckerei die vorbestellten und frisch gerichteten belegten
Brötchen abgeholt, die somit pünktlich zur
Mittagszeit verteilt werden konnten, während wir mit nur
wenigen Halten nach Pforzheim und von da weiter über die
Verbindungskurve in Mühlacker nach Bretten fuhren. Die
planmäßigen Züge hatten etwas
Verspätung, so dass zwei Fotohalte – an der
Brücke der Neubaustrecke der DB und bei der Kreuzung mit dem
gelegentlich verkehrenden Güterzug der AVG – leider
ausfallen mussten, lediglich der im Wald zwischen Flehingen und
Zaisenhausen konnte realisiert werden. Aus fahrplantechnischen
Gründen musste in Sulzfeld ein längerer Aufenthalt
eingelegt werden, wobei wir sowohl Kreuzung wie auch
Überholung hatten. Offenbar waren die Fotografen danach
bereits etwas ermüdet, denn zwischen Sulzfeld und Eppingen
hatte Walter Vögele noch einen weiteren Halt vorgesehen, den
aber niemand wahrnehmen wollte.
In Heilbronn wurde ähnlich wie in Bad Wildbad
zunächst die Stadtstrecke mit kurzen Fotohalten bis zum
Pfühlpark befahren, dort über das seltener benutzte
Gleis 14 umgesetzt und wieder zurück bis zur Wendeanlage am
Bahnhofsvorplatz gefahren. Danach ging es nochmals durch die Stadt zum
Pfühlpark und weiter auf die DB-Strecke. Somit bestand auch in
Heilbronn nach Belieben die Gelegenheit zu einem Stadtbummel, zum
Kaffee, zum Fotografieren der Planzüge oder zur mehrmaligen
Mitfahrt über die Stadtstrecke. Unmittelbar nach Durchfahren
der Systemwechselstelle wollte unser Triebwagen nicht mehr so wie er
sollte. Unser Wagenführer Andreas Geistler ließ den
Wagen ausrollen, während er versuchte, die Störung zu
beseitigen. Zunächst gelang dies aber nicht und wir kamen
mitten auf einem Bahnübergang zum Halten. Walter
Vögele schaute ganz nervös auf die Uhr, denn in
Willsbach war ein Fotohalt vorgesehen, bei dem der entgegenkommende
Regionaleilzug der DB AG zusammen mit unserem Stadtbahnzug
fotografiert werden können sollte. Glücklicherweise
gelang es den vereinten Kräften unter Beteiligung von
Dr. Ludwig, das Fahrzeug wieder in Gang zu setzen. Wir
erreichten gerade noch rechtzeitig den Haltepunkt Willsbach, um
geeignete Fotostandpunkte einzunehmen und den durchbrausenden
Regionaleilzug mit unserem Sonderzug abzulichten. Etwas ruhiger ging es
dann in Eschenau zu, wo dasselbe Spiel, dieses Mal aber mit einer
entgegenkommenden Stadtbahn, stattfand. Nach einem kurzen Aufenthalt in
Öhringen Bahnhof fuhren wir weiter bis
Öhringen-Cappel, wo wir bis in die Wendeanlage kamen. Die
Rückfahrt verlief ohne weitere Besonderheiten, die Fahrt
endete aber im Hauptbahnhof Heilbronn, so dass auch dort nochmals
außergewöhnliche Fotos gemacht werden konnten. Die
meisten Teilnehmer machten sich von Heilbronn aus auf den
Rückweg nach Stuttgart, einige wenige fuhren mit dem Sonderzug
bis Karlsruhe und von dort nach Stuttgart.
Eine kleine Gruppe fuhr von Öhringen mit dem Linienbus nach
Künzelsau. Dort gibt es vom Busbahnhof – am
früheren, inzwischen stillgelegten Bahnhof – eine
erst vor wenigen Jahren erbaute Standseilbahn zum Wohngebiet
Taläcker, das entgegen seinem Namen eben nicht im Tal, sondern
auf dem Berg liegt! Üblicherweise haben Standseilbahnen ihre
Revision im Oktober oder November, aber das gilt für
touristische Bahnen, bei denen in dieser Zeit nichts los ist. Die
Künzelsauer Standseilbahn ist aber ein
„normales“ Verkehrsmittel, hier ist im
Spätherbst eher verstärkter Verkehr, die ruhige Zeit
ist in den Schulferien. Und so begann die Revision genau am Montag, dem
07. August 2006. Der Betriebsleiter, Herr Stitz, hatte auf Anfrage
einer Besichtigung sofort zugestimmt, erst bei der Detailfrage, wann
das denn genau sein sollte, stellte sich heraus, dass gerade an diesem
Tag die Revision beginnt. Er war aber auch zu einer Führung
über die in Revision befindliche Bahn bereit. Die kleine
Gruppe fuhr mit dem Schienenersatzverkehrsbus über
kurvenreiche, steile Straßen hinauf zur Bergstation, wo trotz
feierabendlicher Zeit noch eifrig am Zerlegen des Seilbahnantriebs
gewerkelt wurde, um nicht gleich am ersten Revisionstag aus dem
vorgesehenen Zeitplan zu kommen. Trotzdem wurde die Gruppe herzlich
willkommen geheißen und mit der Geschichte und den
Betriebsdaten der modernen Bahn vertraut gemacht. Wegen der mehr als
doppelt so langen Fahrzeit des Ersatzbusses konnte sie gerade nur einen
Bustakt für die Rückfahrt auslassen und hat deswegen
hoffentlich die Geduld von Herrn Stitz nicht über
Gebühr strapaziert. Sie konnte interessante Einblicke gewinnen
und war dankbar, dass die Besichtigung ermöglicht wurde.
Dienstag,
08. August 2006 – Augsburg
An diesem Tag lockte uns endlich ein rein innerstädtischer
Verkehrsbetrieb nach Augsburg. Dort wird seit über 350 Jahren
an diesem Datum das „Augsburger Friedensfest“
gefeiert, bei dem des Religionsfriedens nach dem Ende des
30-jährigen Kriegs gedacht wird, der weltweit einzige
staatlich geschützte städtische Feiertag. Der
öffentliche Verkehr fährt nach Feiertagsfahrplan, so
dass unsere Sonderzüge keine allzu großen
Hindernisse darstellten.
Nach eineinhalbstündiger Zugfahrt mit einem EC trafen wir am
Augsburger Hauptbahnhof ein, wo die eingleisige Wendeschleife
für den planmäßigen Linienverkehr
benützt wird. Deswegen musste unser erster Sonderwagen, ein
Gelenkwagen GT6M, genau planmäßig zwischen zwei
Linienzügen eingefädelt werden und kam
pünktlich und geschmückt wie ein Hochzeitswagen an
der Haltestelle an. Kurze Begrüßung, ein schnelles
Foto, rascher Einstieg, und schon ging es los zur ersten Endstelle im
Augsburger Netz, nach Stadtbergen. Viel Zeit war auch an der Endstation
nicht zum Fotografieren, denn trotz des Feiertags drückte uns
schon der nächste Planzug weiter. Augsburg benützte
die Ferientage, um den verkehrsreichen Straßenknotenpunkt am
Roten Tor zu sanieren, so dass die beiden südlichen Strecken
nach Haunstetten und ihre direkte Zufahrt vom Königsplatz
für den Schienenverkehr gesperrt waren. So kamen wir zu dem
Vergnügen, alle unsere Zufahrten zum Betriebswerk
über die im Linienverkehr nicht befahrene Betriebsstrecke
über den Milchberg machen zu können. Und das waren
nicht wenige. Unser Gelenk-Sechsachser wurde dort gegen einen Zug aus
zwei Gelenk-GT4 nach Stuttgarter Vorbild ausgetauscht. Leider durften
wir nicht mit ins Depot hineinfahren, und da das Umladen aller unser
Ausrüstungsgegenstände von Zug zu Zug einige Zeit in
Anspruch nahm, mussten wir doch jedes Mal ein längeres Warten,
vor dem geschlossenen Hoftor stehend, in Kauf nehmen. Aber dann ging es
doch bei schönstem Wetter wieder weiter, diesmal zur Endstelle
in Göggingen mit der Blockumfahrung am Kurpark und den
Bogengängen der Rehaklinik vorbei zurück zum Werk am
Roten Tor, wieder mit dem obligatorischen Photohalt im
südlichen Teil der Maximilianstraße. Der dritte
Sonderzug des Vormittags war ein M8C, der uns über den steilen
Perlachberg an der weltberühmten Fuggerei vorbei und durch den
Vorort Lechhausen zur neuen Endschleife am Ostfriedhof brachte. Auf dem
Rückweg konnten wir vor der früheren Endstelle im
Ortskern von Lechhausen aussteigen und den kurzen Weg zur alten
Wagenhalle zu Fuß zurücklegen. Es ist schon einige
Zeit her, dass hier die Planzüge über ein
Gleisdreieck wendeten, und nur der Kundige sieht noch in einem schmalen
Durchgang das Gleis liegen, das immer noch zur Wagenhalle
führt. Dort stehen inzwischen die Schätze der
Augsburger Straßenbahnfreunde, die nicht mehr fahren sollen
oder können und warteten auf unseren Rundgang. Es waren aber
auch Tische für uns gedeckt, und wir konnten uns für
den Nachmittag mit Speis und Trank stärken. Danke der guten
Vorbereitung der Augsburger! Doch schon wartete im Vorfeld der
Museumsbus, der uns wieder zur Wagenhalle am Roten Tor brachte. Dort
hatte jeder von uns die Wahl zwischen der Fahrt in einem KSW und einem
GT8, die nun nacheinander durch die Maximilianstraße und am
alten Betriebshof Senkelbach vorbei, wo früher mal die
Museumsfahrzeuge untergebracht waren, über den Knotenpunkt
Wertachbrücke nach Kriegshaber fuhren. Vor dem Beginn der
Neubaustrecke an der denkmalgeschützten Wagenhalle konnten wir
gut beide Sonderzüge und die entgegenkommenden
Planzüge fotografieren, bevor es weiter am neuen Krankenhaus
vorbei zur heutigen Endstelle Augsburg West mit ihren großen
Park-and-Ride-Plätzen ging. Von hier aus ist eine
Neubaustrecke in die Stadt hinein und unter dem Hauptbahnhof hindurch
mit direktem Zugang zu jedem Bahnsteig in der Planung. Wir allerdings
fuhren natürlich auf der alten Strecke zurück ein
letztes Mal zum Roten Tor. Nach einer Erfrischung und geistigen
Stärkung brachte uns unser Museumsbus auf direktem Weg der
gesperrten Straßenbahnstrecke entlang über den
Theodor-Heuss-Platz zum Hauptbahnhof, so dass wir den Tag bei einer
geruhsamen IC-Fahrt nach Stuttgart ausklingen lassen konnten.
Herzlichen Dank den Augsburger Freunden und vor allem unserem Mitglied
Jürgen Steinbrecher, die uns ein so umfangreiches und perfekt
geplantes Programm gestaltet hatten.
Mittwoch,
09. August 2006 – Amstetten – Oppingen, Ulm,
Härtsfeldbahn
Wer schon in der Schweiz dabei war, hatte viereinhalb Tage Programm
hinter sich. So war es angebracht, einen etwas erholsamen Tag
einzulegen und relativ spät zu starten. Nur eine kleine Gruppe
von 10 Teilnehmern musste schon um 8.32 Uhr abfahren, um in
Amstetten die Fahrzeuge der schmalspurigen Bahn
Amstetten – Oppingen (früher bis
Laichingen) zu besichtigen. Obwohl eine Führung vereinbart
gewesen war, hatte sich kein Begleiter eingefunden. Da die Fahrzeuge
aber frei zugänglich im Bahnhofsgelände stehen,
konnte die Gruppe auch ohne Betreuung einen Rundgang absolvieren. Die
übrigen Teilnehmer brauchten erst um 10.02 abzufahren, sie
wurden bei Ankunft in Ulm bereits von der Amstettener Gruppe und einem
Oldtimerbus der Ulmer und Neu-Ulmer Nahverkehrsfreunde erwartet. Mit
diesem Bus ging es sofort zum Depot am Westertor, wo ein weiterer Bus
sowie die historischen Straßenbahnfahrzeuge besichtigt und
selbstverständlich auch fotografiert werden konnten. Daran
schloss sich ein Rundgang durch das Depot an sowie ein kurzer Besuch im
Vereinsraum, wo Postkarten und Souvenirs erworben werden konnten.
Darauf folgte eine Sonderfahrt mit dem zweiachsigen Tw 16 (ex
Baden-Baden) und dem GT4 1 nach Söflingen und durch
die Stadtmitte zur Endschleife Donauhalle. Hier war ein
längerer Aufenthalt, während dessen ein Imbiss
eingenommen werden konnte, selbstverständlich waren aber auch
weitere Fotoaufnahmen möglich. Betreut wurden wir bei dieser
Exkursion von Hans-Jürgen Kuntze, Martin Ebert und Detlef
Lückert. Rechtzeitig wurden wir zum Hauptbahnhof
zurückgebracht, um den Zug um 14.00 Uhr nach
Heidenheim zu erreichen. Von dort brachte uns ein Sonderbus nach
Neresheim. Nach kurzer Umschau im Bahnhofsbereich mit
Erläuterungen durch Herrn Kuhn setzte sich der
Dieseltriebwagen 33 mit dem Beiwagen 101 in Bewegung, um die zur Zeit
noch relativ kurze Strecke bis zur Sägmühle mit
Unterwegsfotohalten zu befahren. Eine erhebliche Verlängerung
zum Härtsfeldsee in der Nähe der Burg Katzenstein und
schließlich sogar bis Dischingen ist geplant. Nach Neresheim
zurückgekehrt, konnte das Depot sowie das kleine Museum im
Bahnhofsgebäude besichtigt werden. Kurze Zeit später
brachte der Bus einen Teil der Teilnehmer auf einen in der
Nähe liegenden Hügel, auf dem sich das
Benediktinerkloster Neresheim mit einer berühmten Barockkirche
befindet. Durch eine missverständliche Formulierung im
Programm war der Eindruck entstanden, dass der Bus noch eine weitere
Zufahrt zum Kloster ausführen würde, es war aber nur
vorgesehen, die bereits an der Kirche befindlichen Teilnehmer wieder
abzuholen. Eine zusätzliche Fahrt einzulegen gelang
kurzfristig nicht. Eine kleine Gruppe ließ sich aber nicht
entmutigen und stieg zu Fuß den Berg empor, hatte noch Zeit
für eine kurze Besichtigung und war rechtzeitig zur
Weiterfahrt wieder zur Stelle. Die Übrigen tranken Kaffee oder
genossen Eis im Freigelände der Bahnhofswirtschaft, obwohl die
Wirtin etwas ungehalten über die unangemeldete Gruppe war. Der
Bus fuhr dann vom Bahnhof zum Kloster und anschließend weiter
nach Aalen, von wo es mit dem Regionalexpress zurück nach
Stuttgart ging.
Donnerstag,
10. August 2006 – Trossinger Eisenbahn, Hohenzollerische
Landesbahn, Ermstalbahn, Tälesbahn
Am 10.08.1956 war in Traifelberg in der Nähe von Reutlingen
der VDVA gegründet worden. Aus diesem Grund sollte am
Jahrestag in die Gegend der Gründung gefahren werden. Das
Restaurant, in dem die Gründungsversammlung getagt hatte, ist
heute eine Schulungsstätte des Diakonischen Werkes und daher
leider nicht mehr öffentlich zugänglich. Es sollte
aber wenigstens in die nähere Umgebung des
Gründungsorts gefahren werden.
Im Gegensatz zum Vortag ging es besonders früh,
nämlich bereits um 8.18 Uhr los. Nach Umsteigen in
Rottweil und Trosssingen Bahnhof erreichten wir um 10.09 Uhr
Trossingen Stadt. Hier wurden wir bereits von Jost Keller und Stefan
Ade erwartet, die uns das kleine, aber mit viel Liebe gestaltete Museum
präsentierten. Auch eine Journalistin sowie ihr Fotograf waren
anwesend, und wenige Tage später erschien ein Artikel
über unseren Besuch in zwei regionalen Tageszeitungen. Bei der
dichten Zugfolge gibt es nur wenige Zeitfenster, in denen ein Sonderzug
denkbar ist. Durch die sparsame signaltechnische Ausstattung der
Strecke sind vor und nach der Fahrt mit einem Museumsfahrzeug
umfangreiche betriebliche Handlungen notwendig. So konnte zwar eine
Sonderfahrt mit dem Triebwagen 3 nach Trossingen Bahnhof
durchgeführt werden, aber für einen Unterwegsfotohalt
war keine Zeit, und auch in Trossingen Bahnhof war nur ein kurzer
Aufenthalt möglich. Wir waren aber dankbar, dass wir unter
diesen Umständen überhaupt einen Sonderzug erhalten
hatten. Nachdem wir nach Trossingen Stadt zurückgekehrt waren,
konnte in Ruhe die Besichtigung des Museums fortgesetzt werden,
außerdem wurden die übrigen Fahrzeuge auf den
Nebengleisen ganz nach Wunsch der Fotografen hin- und herrangiert.
Um 11.58 Uhr ging es mit Planzügen über
Trossingen Bahnhof und Villingen nach Donaueschingen, wo eigentlich
ausreichend Zeit für eine Mittagspause bestand. Den
früher vorhandenen Kiosk, den Walter Vögele in
Erinnerung gehabt hatte, gab es aber nicht mehr, nur noch die
Bahnhofswirtschaft. Inzwischen hatte es angefangen, heftig zu regnen,
so dass fast alle Teilnehmer fluchtartig in die Bahnhofswirtschaft
strömten. Da nur die Wirtin alleine anwesend war, war es
zweifelhaft, ob alle etwas zu essen bekommen würden. Die
meisten einigten sich auf Gulaschsuppe, halfen zum Teil der Wirtin beim
Servieren und sammelten auch schon vorab für jeden Tisch den
zu zahlenden Betrag ein. So gelang es tatsächlich, dass bis
zur Abfahrt unseres Zuges alle gesättigt waren und ihre Zeche
bezahlt hatten. Einige Mutige hatten trotz des Regens eine in der
Nähe liegende Bäckerei aufgesucht und sich dort mit
Proviant versorgt.
Um 13.19 Uhr fuhren wir mit dem Regionalexpress nach
Sigmaringen, wo uns unser Mitglied Eckehart Alt empfing, der bis vor
einiger Zeit bei der Hohenzollerischen Landesbahn beschäftigt
war, heute jedoch pensioniert ist. Und da kam auch schon,
angehängt an den Planzug mit einem modernen Fahrzeug, der
MAN-Triebwagen 5 für unseren Sonderzug an. Herrn Alt war es
gelungen, für uns einen MAN-Triebwagen bereitstellen zu
lassen, obwohl es zwischenzeitlich schien, als ob das nicht
möglich wäre, da die meisten inzwischen verkauft
sind. Um 14.40 startete unser Sonderzug mit Herrn Mutz als Fahrer, in
Veringenstadt hatten wir Kreuzung mit dem nächsten Planzug von
Hechingen nach Sigmaringen, was selbstverständlich zu einem
ausgiebigen Fotohalt genutzt wurde. Über Herbertingen
gelangten wir nach Kleinengstingen, wo im Hintergrund Traifelberg, der
Gründungsort des VDVA, zu sehen war, und weiter bis nach
Münsingen. Auch auf diesem Streckenabschnitt fanden noch
einige Fotohalte statt. Von Münsingen aus ging es um 16.57 mit
einem Linienbus der Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB) nach
Bad Urach. Von Bad Urach kamen wir mit einem modernen
Triebzug der Ermstalbahn nach Metzingen, von wo die meisten Teilnehmer
nach Stuttgart zurückkehrten. Einige stiegen in
Nürtingen aus und machten noch eine Stichfahrt mit der
Tälesbahn nach Neuffen, eigentlich nur zum Kennenlernen der
Strecke, denn der Fahrplan ist so eng, dass kaum Zeit für ein
Bild des Triebwagens vor dem Endbahnhof blieb. Auch war die
Dämmerung schon hereingebrochen, so dass es mit dem
Pendeltriebwagen sofort wieder zurück nach Nürtingen
und dann nach Stuttgart ging.
Freitag,
11. August 2006 – Obus Esslingen und Bergbahnen in Stuttgart
Unser Wunschziel, der Gleisbauhof in Stuttgart-Wangen, blieb uns leider
wegen der Ferienzeit verschlossen. Nur wer zufällig auf eigene
Faust dort vorbeikam, sah abenteuerliche Gleiskonstruktionen im
Dreischienengleis mit Wechsel der gemeinsamen Schiene von links nach
rechts am Gleisdreieck, das dorthin führt. Die Arbeitswagen
allerdings blieben im Verborgenen. Die zugesagte Besichtigung der
Hauptwerkstatt wäre nur ein schwacher Ersatz hierfür
gewesen.
Stattdessen wurde der ursprünglich wegen einer Absage aus
Esslingen schon aufgegebene Plan wieder aufgenommen und der Vormittag
für eine Exkursion zum dortigen Obusbetrieb verwendet.
Tatsächlich fuhren unter der Fahrleitung nur Dieselbusse, und
am Esslinger Hauptbahnhof werkelten Leute mit einem
Turmgerätewagen an der Oberleitung. Trotzdem wurden wir im
Betriebshof Bismarckstraße herzlich willkommen
geheißen und konnten uns in der Wagenhalle nach Belieben
umsehen. Schließlich stand gerade ein Gelenkbus
günstig vor der Halle im Licht, und zu unserer
großen Freude wurden wir zu einer Probefahrt wenigstens zur
Endstation Lerchenäcker und zurück zur Halle
eingeladen. Auch hier herzlichen Dank für diese
Überraschung! Die kleine Gruppe zerstreute sich nun rasch.
Jeder hatte einen anderen Rückweg nach Stuttgart im Sinn,
entweder den Zollberg hinauf und über die Filder auf den
Spuren der alten END, der Esslingen-Nellingen-Denkendorfer
Straßenbahn, oder direkt nach Untertürkheim zur
Stuttgarter normalspurigen Stadtbahn, die bei dieser Tagung individuell
erforscht werden musste.
So traf sich erst am Nachmittag wieder jeweils eine Gruppe bei einer
der beiden Bergbahnen Stuttgarts ein. Deren eine, eine Standseilbahn,
führt von Heslach seit den zwanziger Jahren hinauf zum
Waldfriedhof, der damals mit den kleinen Bussen auf
Serpentinenstraßen nur schwer zugänglich war. Sie
war einige Zeit stillgelegt, um auf den neuesten technischen Stand
gebracht zu werden, obwohl sie vom Verkehrsaufkommen her nicht mehr
unbedingt nötig gewesen wäre. Voller Stolz zeigte uns
der Betriebsleiter, Herr Otto, dass es trotzdem gelungen ist, dass
äußerlich an den Holzwagenkästen keine
Veränderungen zu sehen sind und auch die alte Antriebsanlage
erhalten wurde, die sogar durch ein Fenster im Fußboden nun
sichtbar gemacht wurde, und hinten eine nagelneue Anlage sie
abgelöst hat.
Die andere Bahn ist die berühmte „Zacke“,
die Stuttgarter Zahnradbahn vom Marienplatz hinauf nach Degerloch. Auch
hier wurden wir vom Betriebsleiter der Werkstätten, Herrn
Moser, persönlich geführt und konnten uns von der
Abzweigweiche zum Depot, am hochgebockten Triebwagen, in der eigens
für diese drei Triebwagen unterhaltenen Werkstätte
und in der denkmalgeschützten Eingangshalle des
ursprünglichen Talbahnhofs, die abends für kulturelle
Veranstaltungen genutzt werden kann und nachts trotzdem die beiden
Plan-Triebwagen beherbergt, alles Interessante erklären lassen.
Die Zeit reichte leicht für einen Wechsel der beiden Gruppen
und weitere eigene Fahrten auf der Stadtbahn, bevor im Tagungshotel
nach einem guten gemeinsamen Abendessen die Mitgliederversammlung
stattfand.
Samstag,
12. August – Jubiläumsprogramm
50 Jahre VDVA – das sollte besonders schön gefeiert
werden. So trafen wir uns bereits um 10 Uhr im
Straßenbahner-Waldheim Waldau, einer repräsentativen
Veranstaltungshalle in der Nähe des Fernsehturms zwischen
Sportfeldern und einem Erholungswald, zu einem „kleinen
Empfang“ mit einem zweiten Frühstück. Und
damit die Bahn nicht zu kurz kommt, konnten wir auf der Jugendbahn
„Rumpelstilzchen“, die alten Stuttgarter
Straßenbahn-Zweiachsern nachempfunden ist und trotzdem mit
Drehstrom unter einer zweipoligen Oberleitung fährt, auf einem
Rundkurs durch das Waldgelände einige Runden drehen.
Ein Daimler-Benz-Oldtimer-Gelenkbus brachte uns von dort quer durch die
Stadt auf den gegenüberliegenden Killesberg. Die Strecke der
dortigen 15 Fuß-Parkbahn ist viel länger
als die der Jugendbahn. Dafür wird sie im Normalfall mit einer
von zwei Dieselloks betrieben, die wir bereits bei der Ankunft unten an
uns vorbeiziehen sahen. Deswegen war ein Fußmarsch entlang
der Strecke notwendig, um die Werkstätte aufsuchen zu
können. Dort standen dann auch, leider kalt, die beiden
Dampflokomotiven, die 1950 einer kleinen Bauserie von Krauss-Maffei aus
den zwanziger Jahren nachgebaut worden waren, das
„Springerle“ und der
„Tazzelwurm“. Wieder wurden viele Fragen
beantwortet, bis zum Rückweg aufgefordert wurde. Bei
beginnendem Regen erreichten wir die schützenden
Dächer des Zuges und konnten mit ihm eine Runde drehen. Dann
hatte auch der Regen wieder aufgehört. Der Oldtimerbus brachte
uns schließlich zur Jubiläumsfeier im
Straßenbahn-Museum in Zuffenhausen.
Die Museumsfahrzeuge unter der Holzfachwerkdecke boten einen stilvollen
Rahmen für unsere Gesellschaft. Die Stuttgarter
Straßenbahnfreunde hatten zunächst Kaffee und Kuchen
zur ersten Stärkung aufgetischt. Dann konnte man in Ruhe durch
die Reihen der Museumsfahrzeuge gehen und die Ausstellung mit Bildern
vergangener Tagungen studieren, die Rolf Hafke, Walter Vögele
und René Felgentreu noch in der vergangenen Nacht
aufgehängt hatten.
Eine Jubiläumsfeier braucht Gedenkreden. Unser Vorsitzender,
Rolf Hafke, hieß alle Gäste, vor allem auch die, die
gerade erst zur Festversammlung gekommen waren, willkommen.
Für den Stuttgarter Verkehrsbetrieb sprach der
Werkstättenleiter, Herr Moser,
Begrüßungsworte. Und unser Ehrenvorsitzender, Walter
Vögele, der fast von Anfang an dem Verein angehört,
schilderte dann mit launigen Worten einige seiner Erlebnisse in dieser
langen Zeit. Vor allem aber waren zwei Gäste gekommen, die die
Wertschätzung des VDVA bei den besuchten Betrieben bezeugen.
Der eine war Dr.-Ing. Dieter Ludwig, der gerade in den Ruhestand
getretene Leiter der Verkehrsbetriebe und des Verkehrsverbunds
Karlsruhe, der uns bereits am Montag bei der Sonderfahrt durch das
gesamte Karlsruher Verbundnetz kommentierend begleitet hatte und der
uns nun Mut und Anerkennung zusprach, Mut dafür, sich
weiterhin bei den Verkehrsbetrieben trotz stärker werdender
Widrigkeiten umzusehen, und Anerkennung für die Fachkenntnis,
die sich bei diesen Besuchen immer wieder zeige und oft die
Fachkenntnis der Fachleute überträfe. Er selber habe
immer wieder die Gelegenheit benützt, bei VDVA-Tagungen mit
Freude teilzunehmen. Nur der Name
„Verkehrsamateure“ stelle das Licht der Mitglieder
etwas unter den Scheffel und könnte zu Missdeutungen
beitragen.
Der andere Gast, der ausdrücklich zum Jubiläum die
Anreise auf sich genommen hatte, war der Leiter der Salzburger
Verkehrsbetriebe, Dir. Gunter Mackinger, der sich als Chef nicht nur
von schienengebundenen Verkehrsmitteln oder Bussen, sondern inzwischen
auch als Leiter einer Bergbahn und einer Seeflotte vorstellen konnte.
Er sprach zu uns im selben Sinn wie Dr. Ludwig und mit Begeisterung von
seinem Betrieb, zu dem wir, wenn uns der Weg nach Salzburg
führt, zu einer großen Besichtigungstour eingeladen
sind. Als auch Dr. Ludwig darauf hinwies, dass unsere Tour mit seinem
Triebwagen durch das badische Land uns keine Kosten verursachte,
versprach uns auch Herr Moser, dass uns in Stuttgart keine Kosten
berechnet würden. Begeisterter Beifall war der Dank
für alle drei Herren.
Zum Jubiläum wurde vom VDVA ein neues Buch über
Straßenbahnen der fünfziger Jahre, zusammengestellt
von Axel Reuther, herausgebracht. Die am Abend zur Verfügung
stehenden Exemplare waren bald ausverkauft.
In einem dunkleren Nebenraum konnte Diethard Cujé
Straßenbahnbetriebe, die in den fünfziger Jahren
noch bestanden, anhand von Dias aus der VDVA-Sammlung vorstellen. An
anderer Stelle konnten auf Video überspielte Schmalfilme von
weit zurück liegenden VDVA-Tagungen angesehen werden.
Den Abschluss bildete ein „Rustikales Grillbuffet“,
wo sich jeder aus den von den Stuttgarter Straßenbahnfreunden
vorbereiteten leckeren Gerichten ein Menu nach seinem Geschmack
zusammenstellen konnte.
Sonntag,
13. August 2006 – Jubiläums-Rundfahrt auf Meterspur
Der zukünftige Standort des Stuttgarter
Straßenbahnmuseums wird das Bad Cannstatter Depot sein, wo
jetzt schon betriebsfähige Museumsfahrzeuge stehen. Dort gibt
es auch eine Rundstrecke aus dem Depot heraus um einen
Häuserblock und auf öffentlicher Straße zum
Depot zurück. Diese lässt sich ausgezeichnet
für einen Straßenbahn-Corso verwenden. Genau der
wurde Frühaufstehern geboten, denen die an diesem Tag nicht
planmäßig eingesetzten Oldtimer und Sonderfahrzeuge
vorgeführt wurden.
Alle anderen trafen sich im Untergeschoss der Haltestelle Hauptbahnhof,
wo es noch einen Sonderbahnsteig für den Betrieb mit den
Schmalspurfahrzeugen der Stuttgarter Straßenbahn gibt und
weiterhin auch nach Einstellung der Linie 15 geben wird. Auch diese
Teilnehmer konnten auf der folgenden Sonderfahrt mit dem Zweiachser-Zug
851+1390 und dem Gelenktriebwagen 917 das künftige
Museumsdepot Bad Cannstatt, allerdings ohne Fotohalte, erleben. Die
direkte Verbindung an den Mineralbädern Richtung Zuffenhausen
ist bereits ausgebaut. Auf dem Weg zur heutigen Endstation Stammheim,
die nur noch bis Ende 2007 angefahren wird, konnten auch die letzten
Langschläfer am Tagungshotel zusteigen. Das obligatorische
Tagungsfoto entstand dann an dieser Endstation. Und bei strahlender
Sonne fuhren wir nun den Weg der letzten Stuttgarter
Straßenbahnlinie 15 von der einen bis zur anderen Endstation
ab. Nur das Stück durch die Nordbahnhofstraße war
gerade erst stillgelegt worden, so dass jetzt auch die
Planzüge der Linie 15 die Stadtbahn-Haltestellen auf der
Heilbronner Straße ohne Halt durchfahren.
Der Rückweg führte beide Züge nur noch bis
zur Schleife Kelterplatz, und dann kam das Abschlussbonbon: Wer noch
nicht genug hatte vom Straßenbahnfahren und genügend
Zeit zur Verfügung, der wurde vom Schmalspur-Triebwagen 917
entführt zu einer nur noch selten gebotenen Fahrt
zunächst zurück zum Hauptbahnhof, dann aber ab
Charlottenplatz die Weinsteige hinauf durch die Weinsteigetunnel, wo
die Bahnsteigkanten fast in Fensterhöhe vorbeigleiten und man
aus dem Tunnelfenster immer noch einen herrlichen Ausblick auf die im
Tal liegende Stadt hat, und über Degerloch bis zur
Hauptwerkstätte Möhringen. Dort drehte der Triebwagen
eine (für ortsunkundige Fahrer durch eine weiße
Linie gekennzeichnete) Schleife um die Betriebsgebäude,
gestattete bei Nieselregen ein letztes Bild am selten erreichten Ort
und führte uns in gebotener Eile zum Hauptbahnhof und zum
Abschied von dieser denkwürdigen Tagung.
Hier noch einige weitere Ansichten aus Stuttgart:
alle Fotos: Ingo Teschke