Tagung 2002 (Thüringen)
Samstag, 24. August - Kassel
Vor
der eigentlichen Tagung war ein Wochenende in Kassel als "Vortagung"
organisiert worden. Pünktlich
um 13.00 Uhr startete unser Oldtimer-Sonderzug mit dem Tw 144 (von
1909) und dem Bw 655 zu einer Schleifenfahrt durch die Stadt bis zum
Rathaus, um auf dem Rückweg am Eisenbahn-Bahnhof
Wilhelmshöhe
noch weitere Teilnehmer aufnehmen zu können und
schließlich
zum Hauptziel, dem Betriebshof der Straßenbahn auf der
Wilhelmshöhe, zu fahren. Eine Parade von
Straßenbahnzügen aus allen Epochen erwartete uns
dort bei
schönstem Fotolicht (MTw 110, MTw 214, MTw 228 + 521 sowie
Schienenpflege 6x-Atw 317). Ein Rundgang durch die inzwischen
fertiggestellten Werkstätten und Betriebshallen zeigte den
Abschluss der Bauarbeiten, die die langjährigen Teilnehmer bei
früheren Besuchen schon hatten beobachten können. Die
weitere
Sonderfahrt führte uns dann zu fast allen anderen Endstellen
der
Straßenbahn, ins Druseltal (mit Gedenken an die
Herkulesbahn),
zur Hessenschanze, durch den Tunnel am Hauptbahnhof, der nicht mehr
allzu lange in Betrieb sein wird, zur Endstelle Ihringshäuser
Straße und auf der Rückfahrt natürlich
über die
Krankenhausschleife bis zum zweistöckigen Betriebshof
Holländische Straße. Dort erwarteten uns die
Kasseler
Straßenbahnfreunde in ihrem Museum und ließen uns
ausschwärmen. Bei der Führung erzählten sie
uns von
ihren Sorgen, weil dieser stillgelegte Betriebshof total aufgegeben
werden muss. Das Museum soll dann endgültig in einem
Teilstück des nicht mehr benötigten Tunnels am
Hauptbahnhof
untergebracht werden.
Sonntag, 25. August - Kassel
Am
zweiten Tag der
Vortagung, ließ uns dann die moderne Stadtbahn erkunden, die
nach
dem Karlsruher Vorbild das Umland mit dem Stadtkern so
verknüpft,
dass man, ohne umsteigen zu müssen, bis ins Stadtzentrum
durchfahren kann. Auf der Eisenbahnstrecke nach Warburg fahren heute
Saarbahnwagen (Typ S1000, Bombardier BWS/Kiepe/Elin) noch von einem in
der Höhe angepassten Bahnsteig des Hauptbahnhofs ab. In diesen
elektrischen Triebwagen mit der im Vergleich zu Eisenbahnfahrzeugen so
viel größeren Beschleunigung kann man den
Fortschritt
gegenüber den doch trägen Eisenbahnfahrzeugen
feststellen und
verstehen, warum die Straßenbahn und ihr moderner Nachkomme,
die
Stadtbahn, wieder Zukunft haben. Nach einem von unserem Vorsitzenden
bis ins Kleinste ausgearbeiteten Plan konnte man unterwegs gute
Fotostandpunkte besetzen oder die Fahrt mit dem Saarbahnwagen 1002 bis
zur Endstation und zurück genießen. Bei der
Rückkunft
zeigten Menschenschlangen, dass auch der alte Hauptbahnhof eine Zukunft
hat: Die „Documenta“ hat einen seiner
Flügel in
Beschlag genommen und zieht nicht nur Eisenbahnfreunde in Trauben an.
Die Stadtbahn soll ja in naher Zukunft an das Straßenbahnnetz
angeschlossen werden und wird aus dem Kopf- teilweise einen
Durchgangsbahnhof machen. Am Nachmittag sahen wir, dass die Zukunft
bereits Wirklichkeit geworden ist. Die Fahrt mit einem der modernsten
Triebwagen (dem ER Nfl. Tw 602, von Bombardier-DWA/Kiepe)
führte
uns über die Strecke zur Papierfabrik zu der Stelle, wo sie
auf
das benachbarte Eisenbahngleis überwechselt und auf der von
der
Bundesbahn schon lange für den Personenverkehr aufgegebenen
Strecke nach Waldkappel inzwischen den Ort Kaufungen viel besser als
früher erschließt, heute den Ort Helsa erreicht und
in
Kürze bis Hessisch Lichtenau verlängert werden soll.
Die
Zieltafeln waren bereits aufgestellt. Die Rückfahrt
führte
uns in den uns noch fehlenden Südwestteil der Stadt, quer
durch
die Einkaufsstraße mitten im Zentrum (auch hier streitet man
sich, ob Straßenbahn und Fußgänger
nebeneinander Platz
haben) und über die nach Mattenberg verlängerte
Vorstadtlinie, die an die Kassel-Naumburger Eisenbahn angeschlossen
wurde und heute bis zum Bahnhof Großenritte betrieben wird.
Beim
nächsten Besuch werden wir hoffentlich auf der
Verlängerung
Richtung Naumburg weiterfahren können. Schließlich
fuhren
wir auf der ebenfalls vor nicht allzu langer Zeit gebauten Strecke
über Helleböhn mit einem schönen Fotohalt an
der
Zwischenendschleife Brückenhof zurück zum Bahnhof
Wilhelmshöhe und hatten noch Zeit genug, einen weiteren
Abstecher
zur Stadthalle zu machen, um dort ein Wenden über das
Gleisdreieck
fotografieren zu können. Der Tag schloss mit der Weiterfahrt
nach
Erfurt zum Beginn der eigentlichen Haupttagung. übrigens:
Unsere
Anfrage in Kassel hatte der Betriebsleiter, Herr Bader, direkt an den
dortigen Verein, die Straßenbahnfreunde Kassel,
weitergeleitet.
Die Mitglieder unter Führung des Vorsitzenden Klaus Peterzelka
haben ein einzigartiges Programm mit vielen Attraktionen organisiert.
Montag, 26. August - Erfurt
Die
Hauptstadt
Thüringens, Erfurt, erwartete uns am Montag, dem 26. August,
wieder mit bestem Fotografierwetter. Inzwischen waren alle
Tagungsteilnehmer eingetroffen und erlebten auch hier einen Betrieb,
der nach der Wende in jeder Beziehung modernisiert wurde. Unsere
Sonderfahrt begann in der Betriebsschleife Löberwallgraben
südlich des Hauptbahnhofs und führte uns mit dem MGT
605 zum
neuen Viertel auf dem Ringelberg, wo die Endstation vorausschauend
heute noch auf freiem Feld liegt, die Strecke den jetzigen Bewohnern
aber schon eine schnelle Fahrt ins Zentrum bietet, ohne auf das Auto
angewiesen sein zu müssen. Weiter ging es leider nicht gleich
über die planmäßig nicht befahrene
Verbindungskurve zur
Endstation Zoopark, da die Weiche sich nicht umstellen ließ,
sondern zuerst zum westlichen Stadtrand an der Messe mit der inzwischen
nochmals weiter hinausgeschobenen Endschleife und erst dann
über
die Abstellanlage an der Magdeburger Allee, wo Arbeitswagen und der
alte Verkehrsturm vom Anger auf das Fotografiert-werden warteten,
hinaus zum Zoopark. Natürlich durfte hier die ganz neue und
doch
alte, da wieder in Betrieb genommene Strecke über das
Brühl
nicht fehlen, wo trotz nachdrängender Planzüge die
Zeit
für einen schnellen Fotohalt bleiben musste. Langsam
fühlte
man Mittagshunger, so dass man mit Freude auf die letzte lange
Vormittagsstrecke in den Südosten von Erfurt abbog. Nach einem
Aufenthalt in der Zwischenschleife Kranichfelder Straße
musste
der im Nachtverkehr übliche Abstecher zum Wiesenhügel
aber
auch noch absolviert werden, bis schließlich der Betriebshof
Windischholzhausen erreicht wurde und man sich dort umschauen und bei
einem kleinen Mahl regenerieren konnte. Der Nachmittag begann mit der
langen Rückfahrt mit dem Gotha-GT4-Tw 178 + Bw 274 in die
Stadt,
einer kleinen Fotoorgie an der Schleife Melchendorfer Straße,
wo
wir gerne Zug und Gegenzug gleichzeitig fotografiert hätten,
aber
genau an dieser Stelle anscheinend ein Begegnungsverbot war, einem
schnellen Abstecher zur Thüringenhalle und führte uns
dann
zur letzten Außenstrecke unserer Sonderfahrt, nach Rieth und
zum
heutigen Europaplatz, dem früheren Ulan-Bator-Platz. Aber auch
hier durfte eine Besonderheit nicht fehlen, der Sonderzug bog mal
schnell zur sonst nicht befahrenen Schleife Pappelstieg ab, um dann
über den Betriebshof Nordhauser Straße, der dabei
besichtigt
werden konnte, wieder weiter nach Norden fahren zu können.
Trotz
des umfangreichen Programms blieb am Abend noch genügend Zeit,
einen privaten Abstecher zur noch fehlenden Schleife am Nordfriedhof zu
machen und dann am Dom bei einem Eis die Abendsonne zu
genießen.
Das Programm Erfurt wurde von den Thüringer
Straßenbahnfreunden, allen voran die Herren Hobe und Ockert,
mit
freundlicher Unterstützung des Betriebsleiters Nitzschke
durchgeführt.
Dienstag, 27. August - Gera
In Gera kann am Hauptbahnhof nicht mehr und noch nicht wieder in eine
Straßenbahn umgestiegen werden. Das nie in Betrieb genommene
Gleis einer Endschleife erinnerte daran, dass früher eine
Straßenbahnlinie am Hauptbahnhof vorbeiführte, aber
die
Betriebe in der DDR ihre Planungen nicht wie gewünscht
abschließen konnten. Dafür wurden wir aber
später im
Betriebshof über die neu zu bauende Strecke nach Untermhaus
bestens informiert. Sie soll mit einer Unterführung quer zu
den
Eisenbahngleisen gebaut werden und damit optimale
Umsteigemöglichkeiten bieten. So blieb uns nur ein nicht allzu
langer Fußmarsch übrig, um die
Straßenbahnstrecke ins
Neubaugebiet Bieblach Ost zu erreichen. Unser Sonderzug, bestehend aus
zwei modernisierten Kurzgelenktriebwagen (KT NF8 352 + KT4DMC 353), kam
pünktlich. Der Betriebsleiter, Herr Berger, ließ es
sich
nicht nehmen, uns persönlich zu betreuen, assistiert von einem
Mitarbeiter und Fahrer des historischen Vereins, die alle unsere
Wünsche bezüglich Fotohalten in die Tat umsetzten. In
Bieblach Ost hatten wir genügend Zeit, Planzüge und
Sonderzug
zu fotografieren, bis die Fahrt quer durch die Stadt, auf einem
Hilfsgleis vorbei an einer Baustelle vor der Hausdurchfahrung, zur
Endstation Lusan begann. Auf der Rückfahrt von dort kam uns
fotogen der Schleifwagen entgegen, dann bogen wir ab auf die
Zwötzener Strecke und dort in den vollkommen neu gebauten
Betriebshof. Auch hier standen uns alle Hallen offen, vor denen sich
die Fahrzeuge in schönem Licht präsentierten
(Museums-Tw
16,12 und 29 sowie ATw 106, 104 und 105). Ein kleines Museum im ersten
Stock des neuen Betriebshofs, zugänglich durch den
abgetrennten
Kopf eines alten Zweiachsers (ex 132 [ex 15II] ZR-ET 50, Gotha),
erinnert an die Zeiten, wo auch die Geraer Straßenbahn noch
eine
klassische Bahn war, von der behauptet wurde, dass sie als
Verkehrshindernis eingestellt werden müsste. Im 1. Stock wird
der
Kopf des Tw 168 ausgestellt. Weiter ging es mit einer nicht
modernisierten Garnitur von zwei KT4D-Gelenktriebwagen (338 + 339) zur
alten Endschleife in Zwötzen, die nach der Wende noch keine
Baumaschine gesehen hat. Warum auch, soll doch auch hier auf neuer
Trasse vom Stadtzentrum eine ganz neue Linie über Pforten nach
Zwötzen gebaut werden. Zurück im Stadtzentrum wurde
uns zum
Abschluss noch das notwendige Schmankerl geboten, eine Rundfahrt auf
der neuen Innenstadtwendeschleife, die gleichzeitig der Beginn der
schon erwähnten Neubaustrecke nach Zwötzen ist.
Mittwoch, 28. August - Jena und Naumburg
Am
Mittwoch
besuchten wir gleich zwei Betriebe, die sich in günstiger
Entfernung von Erfurt befinden. Und obwohl das Netz in Jena um einiges
größer ist als das von Gera, schafften wir es bei
unserer
Sonderfahrt, einen Großteil von ihm abzufahren. Beginnend am
Westbahnhof musste das erste Stück wieder zu Fuß
zurückgelegt werden, weil die passende
Straßenbahnlinie von
dort in die Stadt schon lange stillgelegt ist. An der neuen
Stumpfendstelle am Ernst-Abbe-Platz wartete ein neuer
Niederflurtriebwagen (GTZ 6M 614) auf uns, um über die
Neubaustrecke durch die Oberaue uns am Depot in Burgau vorbei in das
Neubaugebiet Lobeda mit den beiden Stumpfendstellen Ost und West zu
bringen. Die jeweils dreigleisigen Endstellen mit den
Planzügen in
die Innenstadt und zur jeweiligen anderen Endstelle zusammen mit
unserem Sonderzug boten vielfältige
Fotomöglichkeiten. Bei
der Rückfahrt öffneten sich die Tore zum Depot
Burgau. Wieder
erhielten wir umfangreiche Informationen und konnten viele
schöne
Fotos machen, arrangiert von der Leiterin Presse und
Öffentlichkeitsarbeit, Frau Schumann. Die Zeit
drängte, und
trotzdem konnten wir, nunmehr mit einem Reko-Dreiwagenzug (134 + 187 +
189 = Fahrschulzug, gefahren für uns vom Fahrlehrer Dietz),
doch
noch mehrere Fotohalte auf der langen Außenstrecke nach
Zwätzen einlegen und auf der Rückfahrt
schließlich nach
einem Sonderhalt auf der Saalebrücke den Altbauzug zusammen
mit
dem neuen Wahrzeichen von Jena, dem Carl-Zeiss-Turm, fotografieren.
Leider ging die Zeit mit diesen Gegensätzen Alt und Neu viel
zu
schnell vorbei, in Kürze endet dann auch die Phase der
Zweiachser-Dreiwagenzüge! Vom Bahnhof Jena-Paradies ging es
dann
zum zweiten Ziel des Tages, nach Naumburg, das im Saaletal gerade mal
eine dreiviertel Stunde von Jena entfernt ist. Die Naumburger
Straßenbahn ist ein überlebenskünstler und
hält
sich, wohl wegen der großen Energie ihrer Betreiber und Fans,
tapfer auf den Schienen. Eigentlich schon lange abgeschrieben, ist sie
inzwischen auf der noch bestehenden Strecke fast komplett neu aufgebaut
worden. Am Bahnhof, an dem uns bei unserer letzten Tagung dort noch ein
Wagen zur Rundfahrt erwartet hatte, ist an der alten Haltestelle nichts
mehr zu sehen. Aber kaum ist man um die Straßenecke gebogen,
sieht man einen Seitenstreifen frei gehalten, momentan zwar noch als
Parkstreifen benützt, aber immerhin! Und von der
nächsten
Ecke führt die neue Strecke wieder in einem eigenen
Bahnkörper am Straßenrand hoch in die Stadt Richtung
Depot.
Wir wanderten entlang dieses Streckenstücks, auf dem ein
schweres
Schienenprofil auf Betonschwellen zum Einbau gelangt, und freuten uns
über die Teerarbeiten an einer Straßenkreuzung, die
diesmal
nicht Schienenreste überdeckten. Am Ende dieser Neubaustrecke
und
Beginn der alten Strecke, am Jägerplatz, warteten in der
Straßenmitte auf uns die Triebwagen 50 und 51 (ex Jena 132
bzw.
137) sowie der Naumburger Tw 33 (T57) und brachten uns das restliche
Stück zum Depot, wo uns die Naumburg-Jenaer
Straßenbahnfreunde herzlich willkommen hießen,
ebenso
Geschäftsführer Plehn von der Naumburger
Straßenbahn
GmbH. Von dort aus gab es Pendelverkehr mit allen Triebwagen
über
den Theaterplatz zur anderen Endstelle an der Vogelwiese. Auch kam noch
der Erfurter ZR-KT4D 405 für uns zum Einsatz, überall
unterwegs konnte man fotografierende Straßenbahnfreunde
sehen.
Wünschen wir der Naumburger Straßenbahn, dass sie
bald
wieder wenigstens die ganze Museumsstrecke zwischen Hauptbahnhof und
Salztor befahren kann.
Donnerstag, 29. August - Nordhausen
Am
Donnerstag
hatten wir wieder eine längere Anreise vor uns. Die Fahrt von
Erfurt bis Nordhausen mit der Regionalbahn dauert immerhin knappe zwei
Stunden. Dann aber wird man auch hier von neu gelegten Gleisen
empfangen. Auf der dem Bahnhof gegenüberliegenden Seite des
Vorplatzes glänzt ein neu gebauter Bahnsteig, wo heute ein
bequemes Umsteigen zwischen der Nordhäuser
Straßenbahn und
den Harzer Schmalspurbahnen möglich ist, wo aber
Nordhäuser
Straßenbahnwagen (die unten erwähnten
Twino-Nachfolger) ab
2004 wenigstens bis Ilfeld durchfahren sollen. Wir wurden vom
Verkehrsleiter, Herrn Schramm, mit einem Zweiachser-Sonderwagen
(Gotha-Tw 40 = Sonderlackierung zum 100jährigen
Jubiläum)
abgeholt, in dem sich unsere 65-köpfige Gruppe dicht
drängte
und in dem laut Fassungsvermögen dann immer noch für
weitere
20 Fahrgäste hätte Platz sein sollen. Wir wurden
über
das gesamte, nicht so große Netz gefahren, lernten also die
drei
anderen Endstellen am Krankenhaus, in Nordhausen-Ost und an der
Parkallee auch noch kennen. Bemerkenswert ist, dass die gesamte
Innenstadtstrecke vom Bahnhof bis zum Kornmarkt vollkommen neu in
Straßenmitte auf eigenem Bahnkörper gebaut wird.
Wegen des
Neubaus der Brücke über die Zorge war auch die
Endschleife am
Hauptbahnhof nur über das östliche Gleis im
Pendelverkehr
zugänglich. Schließlich kamen wir ins Depot
Grimmelallee, wo
uns mit Stolz die Werkstatt und die Reservefahrzeuge gezeigt wurden.
Mit Stolz deswegen, weil die Nordhäuser Straßenbahn
maßgeblich an der Entwicklung eines
Zweisystem-Straßenbahnwagens (mit Elektroantrieb und
zusätzlichem dieselbetriebenen Generator) beteiligt war und so
einen Vierachser namens „Twino“ (72)
ausgerüstet hat.
Wir konnten mit ihm, dem G4-Tw 59
(„Schienen-Bistro“) und
dem Oldtimer Nr. 23, dem Vorreiter des Gothawagens, Fahrten zwischen
dem Betriebshof und der Endstelle Parkallee mitmachen. Und dann besitzt
die Nordhäuser Straßenbahn auch noch zwei Triebwagen
der
neuesten Generation in einer dem kleinen Betrieb angepassten
Größe: der nur dreiteilige Combino wird folgerichtig
Bambino
genannt. Da seinerzeit nur zwei Nfl.-Tw vorhanden waren und beide Wagen
dem Planbetrieb nicht entzogen werden konnten, durften wir am
Nachmittag mit Planzügen bis zur Endstelle Nordhausen-Ost und
zurück fahren. Und schon war auch in diesem kleinen Betrieb
die
Zeit viel zu schnell vergangen. Am Abend fand dann im Hotel in Erfurt
die Mitgliederversammlung statt, bei der unser langjähriger
Vorsitzender Walter Vögele dank seiner Verdienste um unseren
Verband zum Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Zugleich
wurde ein neuer Vorstand unter Vorsitz von Rolf Hafke gewählt.
Freitag, 30. August - Gotha und Lichtenhain an der Bergbahn
Heute
zog es uns
von Erfurt wieder zurück nach Westen, nach Gotha. Dort wartete
am
Hauptbahnhof der Gothaer Gelenkwagen 215 auf uns. Wir erfuhren, dass
der Wendeanlage ein großer Umbau bevorsteht, konnten also mit
Bedacht vielleicht ein letztes Mal die Endschleife im Grünen,
an
verlassenen Hotelbauten der Gründerzeit vorbei,
genießen und
die Strecke zum Ostbahnhof befahren, die wir beim vorhergehenden Besuch
noch beim Neuaufbau erlebt hatten. Im eingleisigen
Streckenstück
musste natürlich ein Fotohalt stattfinden. Der uns fahrende
Verkehrsleiter, Herr Hartung, führte uns auch durch den
Betriebshof, die vielen Um- und Neubauten und die geplanten
Baumaßnahmen waren nicht zu übersehen. In den
Betriebsräumen konnten die Straßenbahner mit uns
einen
hoffentlich guten Umsatz mit den angebotenen Souvenirartikeln machen.
Dann stiegen wir ein in einen Zug der Thüringer Waldbahn, den
ex
Bochumer Gelenktriebwagen 592, der uns auf die romantische Strecke in
den Thüringer Wald brachte. Für die meisten von uns
war neu
der Abstecher zum Krankenhaus, wo ein für den
Park+Ride-Verkehr
neu gebautes Parkhaus gute Möglichkeiten zum Fotografieren der
neuen Schleife bot. Dann aber genossen wir weiter die vertraute Strecke
nach Tabarz, dem Erholungsort am Thüringer Wald. Bei der
Rückfahrt ließen wir uns in Reinhardsbrunn
natürlich
wieder nicht die Begegnung mit dem Zug auf der parallel verlaufenden
Eisenbahnstrecke entgehen (das war ein Fotohalt auf
„kleinstem
Raum“, wir durften den DB-Bereich nicht betreten) und bogen
dann
am Gleisdreieck Richtung Waltershausen ab. Im Ortskern erregten wir bei
unserem Fotohalt auf der eingleisigen Strecke Aufsehen, denn die
Einheimischen wunderten sich wie so oft, was es denn bei der ihnen so
vertrauten Straßenbahn Besonderes zu fotografieren
gäbe. Am
Waltershausener Bahnhof erwartete uns schließlich ein Bus,
der
uns quer durchs Land an der Baustelle der Schnellfahrstrecke Erfurt
– Nürnberg entlang zur Talstation der
Oberweißbacher
Bergbahn schaukelte. Zwar hatte die Bergbahn im August ihren Betrieb
zwecks Modernisierung eingestellt, und auch die Schwarzataleisenbahn
nach Katzhütte lag noch still. Doch der engagierte
Betriebsleiter,
Herr Möller, wusste so lebendig von seinem Wechsel von der DB
AG
zur Betreibergesellschaft der Schwarzatalbahnen und von seinen Aufgaben
zu erzählen, dass man es ihm glauben musste, dass zum
Fahrplanwechsel jetzt im Dezember 2002 das scheinbare Chaos wieder
betriebsfähig sein würde. Leider war auch gerade in
dieser
Woche die Höhenbahn von der Bergstation Lichtenhain nach
Cursdorf
nicht in Betrieb. So blieb uns Zeit für eine
ausführliche
Besichtigung der vollkommen neu gebauten Antriebsanlagen in der
Bergstation, zum Fotografieren der Elektrotriebwagen der Cursdorfer
Strecke und schließlich als überraschung ein Besuch
der
Lichtenhainer Parkeisenbahn, auf der eine Art Grubenzug immer mehr
Besucher anlockt, die eine Pendelfahrt mitmachen und die ausgestellten
Grubenfahrzeuge besichtigen möchten. Wir freuten uns mit den
Betreibern, Eisenbahnfreunden, die extra aus Saalfeld
herüberkommen, über diesen Erfolg, der ihre
Mühen
belohnt. Auch die Rückfahrt musste, obwohl sie mit der Bahn im
Schwarzatal so romantisch gewesen wäre, wieder auf dem
direkten
Weg mit dem Bus erfolgen. Damit war die eigentliche Haupttagung in
Thüringen zu Ende.
Samstag, 31. August - Zwickau / Sonntag, 1. September - Halle
Am
Hauptbahnhof in
Zwickau erwartete viele unermüdliche Teilnehmer der Nachtagung
der
offene Triebwagen Nr. 7 und der KT4D 929 zur Sonderfahrt, die sie
über die „Zentralhaltestelle“
zunächst zur
Endstation Städtisches Klinikum und dann wieder
zurück
über die Zentralhaltestelle zum Betriebshof
Schlachthofstraße brachte. Geboten war wie üblich
die
Besichtigungsmöglichkeit, eine Gelegenheit zum Mittagessen und
ein
Souvenirkauf bei den „Freunden des Nahverkehrs
Zwickau“,
die dankenswerterweise diesen Tag für uns abwechslungsreich
gestaltet haben. Danach ging es mit dem Gotha ET 57 und dem GT6-Tw 912
weiter zur neuen Endstation in Eckersbach und zum
Glück-Auf-Center. Schließlich konnte man noch die
Gelegenheit nützen und mit der Vogtlandbahn von
Zwickau-Zentrum
auf dem Dreischienengleis bis Glück-Auf-Center und weiter auf
Eisenbahngleisen zum Zwickauer Hauptbahnhof fahren. Der letzte Tag,
Sonntag der 1. September, ließ uns dann mit der Bahn nach
Merseburg in Sachsen-Anhalt fahren, wo ein kurzer Fußmarsch
zur
Straßenbahnhaltestelle Merseburg-Zentrum fällig war,
für die meisten von uns aber mit Gepäck! Die
Sonderfahrt mit
dem Zweirichtungs-ZT4D 900 unter fachkundiger Leitung des Vereins
Hallesche Straßenbahnfreunde brachte uns auf der
überlandstrecke nach Halle zum Betriebshof Rosengarten. Nach
der
Besichtigung ging die Sonderfahrt weiter über den Markt nach
Halle-Neustadt, wo der Tatrawagen doch eher als Fremdkörper
betrachtet wurde – kommen doch planmäßig
wegen der
Stumpfendstelle sonst nur NGT dorthin. Danach fuhren wir zum
historischen Depot Seebener Straße und erhielten wieder eine
Führung und viel Gelegenheit zum Fotografieren der
hinterstellten
historischen Fahrzeuge. Die weitere Fahrt erfolgte mit dem Lowa-Tw 505
und dem Gotha-Tw 523 über Kröllwitz,
Steintorbrücke
(Stumpfendstelle) und Hauptbahnhof zum Betriebshof Freiimfelder
Straße. Mit der Rückfahrt zum Hauptbahnhof endete
auch die
Nachtagung 2002.
Wo uns
keine Fotos von der Tagung vorliegen, zeigen
wir andere Aufnahmen der erwähnten
Fahrzeuge aus dem Archiv des VDVA-Webmasters (www.tra.ms)